Vogel-Lexikon · Singvögel

Gimpel Steckbrief · Gesang · Verbreitung

Pyrrhula pyrrhula

Der Gimpel (Pyrrhula pyrrhula), auch Dompfaff genannt, ist mit 15-17 cm einer der auffaelligsten heimischen Finken. Maennchen tragen eine leuchtend rosarote Brust, schwarzen Scheitel und Kinn, grauer Ruecken, weissen Bürzel und weisse Fluegelbinde. Weibchen sind matter graubraun mit derselben Zeichnung. In Deutschland brueten 220.000-330.000 Paare. Der Gimpel ist scheu und meidet Menschen - aber im Winter taucht er gerne an Futterstellen auf.

Steckbrief in Kuerze: Der Gimpel wird 15-17 cm lang, wiegt 21-27 g und hat eine Fluegelspannweite von 22-26 cm. Er lebt in Mischwaeldern mit Unterholz, Parks und Gaerten, ernaehrt sich von Samen, Knospen und Beeren, und wird im Schnitt 2-3 Jahre alt. Die Art ist nach IUCN nicht gefaehrdet (LC).

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Vogelstimme

Gesang des Gimpels

Leiser, melancholischer 'Diu'-Pfiff - hoch und durchdringend, oft zu hoeren ohne Sichtkontakt.

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Gimpel erkennen: rosa Brust, schwarzer Kopf

Der Gimpel ist unverkennbar durch seinen kompakten, dicken Koerperbau und die Faerbung. Maennchen: leuchtend rosa Brust und Wangen, schwarzer Scheitel, Kinn und Schwanz, grauer Ruecken, weisser Bürzel (im Flug auffallend) und weisse Fluegelbinde. Weibchen aehnlich gezeichnet, aber graubeige statt rosa-grau. Beide Geschlechter haben einen dicken, schwarzen Schnabel - perfekt zum Knospenpicken. Im Garten oft in der Hecke zu hoeren, bevor er gesehen wird.

Gimpel: Wissenswertes & Kuriositäten

Sechs Dinge über den Gimpel, die selbst eingefleischten Beobachtern oft neu sind.

Fakt 1 / 4

Dompfaff-Name aus dem Mittelalter

Der alte Name 'Dompfaff' bezieht sich auf die roten Westen der Dom-Priester im Mittelalter. Die rote Brust des Maennchens erinnerte an deren Kleidung.

Fakt 2 / 4

Knospenfresser

Im Fruehjahr frisst der Gimpel die Knospen von Obstbaeumen, Buchen und anderen Laubbaeumen - Obstbauern sahen ihn lange als Schaedling. Heute weiss man: Er reduziert nur den Fruchtansatz, schadet aber nicht ueberproportional.

Fakt 3 / 4

Weibchen lockt Maennchen

Bei den meisten Voegeln werben Maennchen um Weibchen. Beim Gimpel ist es teils umgekehrt - das Weibchen lockt aktiv mit dem 'Diu'-Pfiff und Schwanzfaecher.

Fakt 4 / 4

Lebenslange Paarbindung

Gimpel sind monogam und bleiben oft das ganze Leben mit dem gleichen Partner zusammen. Auch im Winter zieht das Paar zusammen durch das Gebiet.

Verbreitung des Gimpels

  • Ganz Europa
  • Asien bis Japan

Häufige Fragen zum Gimpel

Was bedeutet ein Gimpel im Garten?

Ein Gimpel im Garten zeigt eine intakte, strukturreiche Hecken-Umgebung mit Knospen-, Samen- und Beerennachschub. Im Winter taucht er gerne an Futterstellen auf - vor allem fuer Sonnenblumenkerne und Vogelbeeren. In Volksbraeuchen galt der Anblick eines Gimpel-Paares als Glueckszeichen.

Ist der Gimpel selten?

Nein - mit 220.000-330.000 Brutpaaren ist er in Deutschland nicht selten, aber heimlich und versteckt lebend, daher selten gesehen. Im Winter sieht man ihn haeufiger an Futterstellen. Bestand stabil bis leicht abnehmend - er reagiert empfindlich auf Verlust strukturreicher Hecken.

Was fressen Gimpel am liebsten?

Hauptnahrung: Knospen von Obstbaeumen, Buchen, Ahorn und Eschen (im Spaetwinter und Fruehjahr); Samen von Eschen, Vogelbeere, Holunder, Disteln und Wegerich; Beeren von Vogelbeere, Schneeball, Pfaffenhuetchen. An Futterstellen: Sonnenblumenkerne, Hanfsamen und Nigersaat - keine Talgmischungen.

Warum ist 'Gimpel' ein Schimpfwort?

Im 19. Jahrhundert wurde 'Gimpel' im suedlichen Sprachraum als Schimpfwort fuer einen 'Dummen' oder 'Leichtglaeubigen' verwendet. Hintergrund: Gimpel-Maennchen wurden im 18./19. Jahrhundert gefangen, weil sie leicht Melodien lernten und nachpfiffen - sie liessen sich also leicht 'fangen'. Heute ist das Wort weitgehend aus dem Sprachgebrauch verschwunden.

Wie lange lebt ein Gimpel?

Durchschnittlich 2-3 Jahre in freier Wildbahn. Der aelteste bekannte Gimpel wurde 17 Jahre alt - eine Ausnahme. Sterblichkeit im ersten Jahr 60-70%, danach steigt die Lebenserwartung. Hauptbedrohungen: Hauskatzen, Sperber und gelegentlich strenge Winter ohne Knospennachschub.

Weitere Arten, die in ähnlichen Lebensräumen vorkommen oder häufig verwechselt werden.