Vogel-Lexikon · Eisvögel & Rackenvögel

Eisvogel Steckbrief · Gesang · Verbreitung

Alcedo atthis

Der Eisvogel (Alcedo atthis) ist mit seinem leuchtend türkisblauen Rücken und der orangefarbenen Brust einer der farbenprächtigsten Vögel Europas. Er ist nur 16–17 cm klein, lebt streng an klaren, fischreichen Gewässern und stürzt aus dem Sitzansitz oder Rüttelflug mit bis zu 80 km/h ins Wasser, um Kleinfische zu fangen. In Deutschland brüten nur 5.600–8.000 Paare — der Eisvogel war 1973 und 2009 'Vogel des Jahres'.

Steckbrief in Kürze: Der Eisvogel ist 16–17 cm lang, wiegt 35–45 g und hat eine Flügelspannweite von 24–26 cm. Er lebt an klaren Fließgewässern, Teichen und Seen mit Steilufern, ernährt sich fast ausschließlich von Kleinfischen (Stichlinge, Elritzen) und lebt im Schnitt nur 2 Jahre, da harte Winter die Bestände dezimieren. Die Art gilt als nicht gefährdet (LC), reagiert aber empfindlich auf Gewässerverbau.

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Vogelstimme

Gesang des Eisvogels

Hoher, scharfer 'Tiit'-Pfiff im Flug — kurz, eindringlich, oft das einzige Hinweissignal.

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Eisvogel erkennen: Aussehen & Bestimmung

Der Eisvogel ist mit seinem leuchtend türkis-blauen Rücken, dem orangeroten Bauch und dem überdimensionierten dolchförmigen Schnabel unverwechselbar. Bei Männchen ist der Schnabel komplett schwarz, beim Weibchen ist der Unterschnabel orangerot — das einzige Unterscheidungsmerkmal. Mit 16–17 cm Körperlänge ist er etwa spatzengroß. Im Sitzen wirkt er gedrungen und großköpfig; im Flug zeigt sich seine pfeilschnelle, gerade Linie tief über dem Wasser.

Lebensraum & Jagdverhalten

Eisvögel brauchen klare Gewässer mit Kleinfisch-Bestand und Steilufer für ihre Brutröhren. Sie jagen aus dem Sitzansitz auf 1–3 m hohen Zweigen über dem Wasser oder im Rüttelflug. Beim Sturzflug erreichen sie 80 km/h, halten kurz die Augen geschlossen und greifen den Fisch mit dem Schnabel. Pro Tag werden 50–60% des eigenen Körpergewichts an Fischen verzehrt. Strenge Winter mit zugefrorenen Gewässern führen regelmäßig zu Bestandseinbrüchen von 70–90%.

Brut in der Erdröhre

Eisvögel graben eigene Brutröhren in Steilufer von Bächen oder ans Wurzelwerk umgestürzter Bäume — bis zu 1 m tief. Beide Geschlechter wechseln sich beim Brüten ab. 6–7 weiße Eier werden 19–21 Tage bebrütet, die Jungen verlassen nach 23–27 Tagen die Röhre. In günstigen Jahren gibt es 2–3 Bruten — eine der höchsten Brutfrequenzen unter mitteleuropäischen Vögeln, eine direkte Anpassung an die hohe Verlustrate in strengen Wintern.

Eisvogel: Wissenswertes & Kuriositäten

Sechs Dinge über den Eisvogel, die selbst eingefleischten Beobachtern oft neu sind.

Fakt 1 / 6

Vogel des Jahres — zweimal

Der Eisvogel wurde sowohl 1973 als auch 2009 zum Vogel des Jahres in Deutschland gewählt — eine seltene Doppelehrung, die seine Bedeutung als Gewässergüte-Indikator unterstreicht.

Fakt 2 / 6

80 km/h im Sturzflug

Im Sturzflug ins Wasser erreicht der Eisvogel bis zu 80 km/h. Sein zweiteiliger Augenschutz (Nickhaut + Schließreflex) schützt die Augen beim Aufprall.

Fakt 3 / 6

Bis zu 60% Körpergewicht pro Tag

Ein adulter Eisvogel verzehrt täglich 50–60% seines eigenen Körpergewichts an Kleinfischen — das entspricht 10–15 Fischen pro Tag.

Fakt 4 / 6

Schnabelbau gegen Wasserwiderstand

Die Schnabelform des Eisvogels inspirierte japanische Ingenieure zur Neuentwicklung der Front des Shinkansen-Hochgeschwindigkeitszuges — gegen den Lärm beim Tunnelausgang.

Fakt 5 / 6

Strenge Winter sind die Achillesferse

Zufrierende Gewässer sind die größte Bedrohung. In kalten Wintern stirbt 70–90% der Population — die hohe Bruthäufigkeit kompensiert das normalerweise innerhalb von 3 Jahren.

Fakt 6 / 6

Pärchen putzen sich gegenseitig nicht

Im Gegensatz zu vielen anderen Vögeln pflegen Eisvögel ihr Gefieder ausschließlich selbst. Die Federn werden mit einem Bürzeldrüsen-Sekret wasserdicht gemacht — essentiell für die Tauchjagd.

Verbreitung des Eisvogels

  • Ganz Europa
  • Nordafrika
  • Asien bis Indonesien
Verbreitungskarte Eisvogel

Häufige Fragen zum Eisvogel

Wie selten ist der Eisvogel in Deutschland?

Mit 5.600–8.000 Brutpaaren (Stand NABU) ist der Eisvogel nicht häufig, aber stabil verbreitet. Er gilt nach IUCN als 'nicht gefährdet' (LC), nach deutscher Roter Liste wegen Lebensraumverlust als gefährdet (Status V — Vorwarnliste). Strenge Winter mit zugefrorenen Gewässern führen zu massiven kurzfristigen Bestandseinbrüchen.

Was bedeutet es, wenn man einen Eisvogel sieht?

Eine Eisvogel-Sichtung ist ein Glücksfall — und ein gutes Zeichen für die Gewässerqualität. Der Vogel braucht klares, sauerstoffreiches Wasser mit Kleinfischbestand und Steilufer; wo er vorkommt, sind die ökologischen Voraussetzungen intakt. In der Mythologie galt er als Bote des Glücks.

Wo ist der Eisvogel im Winter?

Eisvögel sind überwiegend Standvögel und bleiben das ganze Jahr in ihrem Brutgebiet. In strengen Wintern weichen sie zu nicht zugefrorenen Bächen, Flüssen oder offenen Wasserflächen aus — manchmal bis zu 50 km vom Brutplatz entfernt. Vögel aus Nordosteuropa ziehen weiter nach Süden bis in den Mittelmeerraum.

Was frisst ein Eisvogel?

Fast ausschließlich Kleinfische: Stichlinge, Elritzen, Bitterling, junge Forellen, dazu gelegentlich Wasserinsekten, Kaulquappen und kleine Krebse. Pro Tag werden 10–15 Fische verzehrt — etwa 50–60% des eigenen Körpergewichts.

Wo lebt der Eisvogel in Deutschland?

An klaren, langsam fließenden oder stehenden Gewässern mit Steilufer und Kleinfisch-Bestand: Mittelläufe von Bächen und Flüssen, Auen-Tümpel, Mühlteiche, Fischteiche und Stauseen. Schwerpunkt-Vorkommen liegen in den Mittelgebirgsregionen, an Donau- und Rhein-Nebenflüssen sowie in den Voralpen.

Weitere Arten, die in ähnlichen Lebensräumen vorkommen oder häufig verwechselt werden.