Vogel-Lexikon · Kuckucke

Kuckuck Steckbrief · Gesang · Verbreitung

Cuculus canorus

Der Kuckuck (Cuculus canorus) ist mit 32-34 cm Koerperlaenge ein etwa taubenkleiner Vogel mit blaugrauem Ruecken, weiss-schwarz gebaenderter Brust und langem Schwanz. Beruehmt ist er fuer zwei Dinge: seinen unverkennbaren 'Kuckuck'-Ruf, der den Fruehling einlaeutet, und sein einzigartiges Brutverhalten - das Weibchen legt die Eier in die Nester anderer Vogelarten und ueberlaesst die Aufzucht voellig dem Wirt. In Deutschland brueten 70.000-100.000 Paare; Bestand seit 1990 um 60% gesunken.

Steckbrief in Kuerze: Der Kuckuck wird 32-34 cm lang, wiegt 105-130 g und hat eine Fluegelspannweite von 55-65 cm. Er lebt in halboffenen Waeldern, Moor- und Wiesenlandschaften, ernaehrt sich fast ausschliesslich von Raupen (auch behaarten und giftigen), und wird im Schnitt 4-6 Jahre alt. Die Art ist nach IUCN nicht gefaehrdet (LC), in Deutschland Vorwarnliste.

  • #Zugvogel
  • #Brutparasit
  • #Sommervogel
  • #Insektenfresser
  • #Vorwarnliste

Vogelstimme

Gesang des Kuckucks

Beruehmtes 'Kuckuck-Kuckuck' - laut, dumpf, zweisilbig, vom Maennchen vorgetragen.

0:00 --:--

Zuletzt aktualisiert:

Kuckuck erkennen: Sperber-Aehnlichkeit

Der Kuckuck hat einen schlanken, langen Koerper mit spitzen, gewinkelten Fluegeln und langem Schwanz - im Flug erstaunlich aehnlich wie ein Sperber, was vermutlich kein Zufall ist: Diese Mimikry hilft beim Anflug auf die Wirtsnester, weil die Wirtsvoegel den Kuckuck mit dem Greifvogel verwechseln. Maennchen sind blaugrau am Ruecken und an der Brust mit waagerechter dunkler Bandstrichelung. Weibchen kommen in zwei Farb-Morphen vor: grau (wie Maennchen) oder rotbraun (Haenge-Variante).

Brutparasitismus: Die geniale Strategie

Das Kuckuck-Weibchen legt jedes Ei einzeln in das Nest einer anderen Vogelart - typischerweise Rohrsaenger, Bachstelze, Heckenbraunelle oder Teichrohrsaenger. Ein Weibchen kann pro Saison 15-25 Eier verteilen. Das Ei aehnelt in Faerbung dem der Wirts-Eier (genetisch festgelegte Wirtsspezialisierung). Das geschluepfte Kuckuck-Kueken wirft die Wirts-Eier oder -Jungen mit einer eigenen Rueckenmulde aus dem Nest und wird als alleiniges Kueken aufgezogen. Es wiegt am Ende oft das 3-Fache der Wirtsmutter.

Kuckuck: Wissenswertes & Kuriositäten

Sechs Dinge über den Kuckuck, die selbst eingefleischten Beobachtern oft neu sind.

Fakt 1 / 4

15-25 Eier pro Saison

Ein Kuckuck-Weibchen legt pro Saison 15-25 Eier - jedes in das Nest einer anderen Wirtsvogel-Art. Insgesamt sind etwa 100 Wirtsarten dokumentiert, jedes Weibchen ist aber auf 1-2 Wirte spezialisiert.

Fakt 2 / 4

Mimikry der Eier

Kuckuck-Eier passen sich farblich erstaunlich gut an die Wirts-Eier an. Verschiedene Wirts-Spezialisten haben unterschiedliche Eifarben - die Spezialisierung wird ueber die mütterliche Linie vererbt.

Fakt 3 / 4

10.000 km Zugstrecke

Kuckucke ziehen jaehrlich nach Afrika - oft bis ins suedliche Afrika (Botswana, Mosambik). Eine Zugstrecke von 10.000 km pro Saison. Sie verlassen Mitteleuropa im August, kehren im April zurueck.

Fakt 4 / 4

Frisst auch giftige Raupen

Kuckucke sind die einzigen heimischen Voegel, die behaarte und giftige Raupen (z.B. Eichenprozessionsspinner) systematisch fressen. Sie schuetteln den giftigen Mageninhalt heraus und schlucken nur die fleischigen Teile.

Verbreitung des Kuckucks

  • Ganz Europa
  • Asien
  • Überwinterung südlich des Äquators in Afrika
Verbreitungskarte Kuckuck

Kuckuck: Bildergalerie

Klicke auf ein Bild, um es im Vollbild zu öffnen — mit den Pfeiltasten oder durch Wischen navigierst du zwischen den Aufnahmen.

Häufige Fragen zum Kuckuck

Wann und warum ruft der Kuckuck?

Der charakteristische 'Kuckuck'-Ruf ist der Reviergesang des Maennchens, vorgetragen von April bis Juni. Er dient dazu, Weibchen anzulocken und andere Maennchen aus dem Revier zu vertreiben. Junge Maennchen rufen weniger melodisch, alte Maennchen am intensivsten. Im Hochsommer verstummt der Kuckuck-Ruf - die Tiere bereiten sich auf den Wegzug nach Afrika vor.

Was bedeutet es, wenn man den Kuckuck hoert?

Im Volksglauben ist der erste Kuckuck-Ruf des Jahres ein Zeichen fuer Glueck, Liebe und Geldsegen. Es heisst, man soll auf den Ruf hin sein Portemonnaie schuetteln (fuer Geldsegen) oder einen Wunsch aeussern. Wissenschaftlich gesehen bedeutet der Kuckuck-Ruf einfach: ein Maennchen ist im Revier angekommen und sucht eine Partnerin.

Warum hat der Kuckuck kein eigenes Nest?

Der Kuckuck ist Brutparasit - das Weibchen legt einzelne Eier in die Nester von rund 100 anderen Vogelarten und ueberlaesst die Aufzucht voellig dem Wirt. Diese Strategie hat sich entwickelt, weil sie das Weibchen von der aufwendigen Brutpflege befreit: Es kann 15-25 Eier pro Saison legen, viel mehr als bei eigener Brutpflege moeglich waere.

Wie heisst der Kuckuck noch?

Wissenschaftlich Cuculus canorus, englisch Common Cuckoo, im Volksmund auch 'Gauch' (althochdeutsch fuer Kuckuck). Der Begriff 'Kuckucksuhr' und 'Kuckuckskind' (uneheliches Kind) leiten sich vom Brutparasitismus ab. Im Volkslied 'Kuckuck, Kuckuck, ruft's aus dem Wald' ist er allgegenwaertig.

Was ist das Besondere am Kuckuck?

Drei einmalige Eigenschaften: Erstens der Brutparasitismus mit 15-25 Eiern pro Saison in fremden Nestern. Zweitens die genetisch festgelegte Wirts-Spezialisierung mit angepassten Ei-Farben. Drittens das Fressen giftiger Eichenprozessionsspinner-Raupen, was kaum ein anderer Vogel kann. Plus: ikonischer Frühlingsbote mit weltweit bekanntem Ruf.

Was frisst ein Kuckuck?

Fast ausschliesslich Insekten, vor allem Raupen - auch behaarte und giftige Arten wie Eichenprozessionsspinner, Kiefernspinner und Ringelspinner, die andere Voegel meiden. Sein Magen verkraftet die Giftstoffe durch ein spezielles Schleimhaut-Schutzsystem. Vereinzelt auch Heuschrecken, Kaefer, Ameisen und Spinnen.

Weitere Arten, die in ähnlichen Lebensräumen vorkommen oder häufig verwechselt werden.