Vogel-Lexikon · Greifvögel

Habicht Steckbrief · Gesang · Verbreitung

Accipiter gentilis

Der Habicht (Accipiter gentilis) ist mit 49-62 cm Spannweite und bis zu 1,2 m Fluegelspannweite einer der maechtigsten heimischen Greifvoegel. Sein graubraunes Rueckengefieder, die feine waagerechte Bauchstrichelung und die roten Augen machen ihn unverwechselbar. Habichte jagen mit explosiven Schnellstart-Angriffen in dichten Waeldern - Tauben, Eichelhaeher und Krähen sind ihre Hauptbeute. In Deutschland brueten 11.500-16.500 Paare.

Steckbrief in Kuerze: Der Habicht wird 49-62 cm gross, wiegt 600-1400 g (Maennchen kleiner, Weibchen groesser) und hat eine Fluegelspannweite von 95-125 cm. Er lebt in strukturreichen Waeldern und an Waldraendern, jagt Voegel und Saeugetiere mittlerer Groesse und wird im Schnitt 7-10 Jahre alt. Die Art ist nach IUCN nicht gefaehrdet (LC).

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Vogelstimme

Gesang des Habichts

Lautes, hektisches 'Gick-gick-gick-gick' - meist nahe Horst zu hoeren.

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Habicht erkennen: Aussehen & Verwechslung

Der Habicht ist gross, gedrungen, mit relativ kurzen breiten Fluegeln und langem Schwanz - die typische Akzipiter-Silhouette. Adulte zeigen graubraunen Ruecken, weisse Unterseite mit feiner waagerechter Strichelung und leuchtend rote Augen. Maennchen sind deutlich kleiner als Weibchen (Groesssen-Geschlechts-Unterschied bis 60%). Jungvoegel sind brauner mit laengsgestrichelter Brust und gelben Augen. Vom kleineren Sperber unterscheidet er sich durch die Groesse (Habicht-Weibchen reichen fast an einen Maeusebussard heran) und kraeftigere Statur.

Jagdverhalten: Spezialist fuer Ueberraschung

Habichte jagen aus der Deckung mit explosiven Schnellstart-Angriffen. Sie patrouillieren entlang von Waldraendern, sitzen versteckt in dichten Baeumen und stuerzen mit bis zu 60 km/h auf ihre Beute. Hauptbeute: Tauben (Ringeltaube), Eichelhaeher, Elstern, Drosseln, dazu Eichhoernchen, Eichkatzen und gelegentlich Hauskaninchen. Ein Habicht braucht 200-300 g Fleisch pro Tag - das entspricht 1-2 Tauben oder einem Eichhoernchen.

Brut und Familienleben

Habichte sind monogam und meist viele Jahre verpaart. Sie bauen grosse Horste in alten Laubbaeumen, oft in 15-25 m Hoehe. Das Weibchen legt 2-4 Eier (Ende Maerz bis April), die in 35-38 Tagen ausgebruetet werden. Die Jungen verbleiben 35-45 Tage im Horst und werden noch 2-3 Monate von den Eltern versorgt. Habichtpaare verteidigen ihren Horstbaum jahrelang - oft wird derselbe Horst ueber Jahrzehnte genutzt.

Habicht: Wissenswertes & Kuriositäten

Sechs Dinge über den Habicht, die selbst eingefleischten Beobachtern oft neu sind.

Fakt 1 / 6

60% Groessenunterschied der Geschlechter

Weibchen sind bis zu 60% groesser und schwerer als Maennchen - eines der staerksten Geschlechtsmerkmale unter Voegeln. Grund: Aufteilung des Beutespektrums (Maennchen jagen Singvoegel, Weibchen Tauben und Krähen).

Fakt 2 / 6

Zurueck aus der Verfolgung

Der Habicht war im 19. Jahrhundert in vielen Regionen Deutschlands ausgerottet (als 'Hühnerräuber'). Seit der Bundesjagdgesetz-Aenderung 1973 erholen sich die Bestaende kontinuierlich - heute brueten Habichte sogar in Stadtparks von Berlin und Hamburg.

Fakt 3 / 6

Stadt-Habicht in Berlin

Berlin hat die hoechste Habicht-Dichte einer Grossstadt weltweit: rund 100 Paare brueten in Parks und Friedhöfen - sie jagen vor allem Stadttauben.

Fakt 4 / 6

Falknerei-Star

Der Habicht ist seit der Antike der wichtigste Beizvogel der Falknerei - sein deutscher Name kommt von althochdeutsch 'habuh' (der Greifende). Mittelalterliche Adelige hielten Habichte als Statussymbol.

Fakt 5 / 6

Bis zu 1,2 m Fluegelspannweite

Mit bis zu 125 cm Spannweite ist der Habicht groesser als ein Maeusebussard - aber durch das gedrungene Profil wirkt er im Flug kompakter.

Fakt 6 / 6

Lebenslang am gleichen Horst

Habichtpaare nutzen den gleichen Horstbaum oft 10-20 Jahre lang. Stirbt einer der Partner, wird der ueberlebende meist neu im selben Revier verpaart.

Verbreitung des Habichts

  • Europa
  • Asien, Nordamerika
  • Nordafrika

Habicht: Bildergalerie

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Häufige Fragen zum Habicht

Wie erkenne ich einen Habicht?

Grosse Akzipiter-Silhouette (kurze breite Fluegel + langer Schwanz), graubrauner Ruecken, weisse Brust mit feiner waagerechter Bandstrichelung, rote Augen (Adulte) bzw. gelbe Augen (Jungvoegel). Im Flug deutlich groesser als Sperber, kompakter als Maeusebussard. Achtung: Weibchen koennen die Groesse eines Maeusebussards erreichen.

Wie unterscheidet man Bussard und Habicht?

Maeusebussard hat lange schmale Fluegel und kurzen Schwanz, kreist hoch in der Luft und ruft mit klagendem 'Hiae'. Habicht hat kurze breite Fluegel und langen Schwanz, jagt im Wald, ruft 'Gick-gick-gick'. Bussarde sieht man oft am Himmel, Habichte vor allem in Wald-Naehe oder beim Sturzflug auf Beute.

Was frisst der Habicht?

Hauptsaechlich Voegel mittlerer Groesse: Tauben, Krähen, Eichelhaeher, Drosseln, Stare. Dazu Saeugetiere: Eichhoernchen, Hauskaninchen, junge Hasen, gelegentlich Wuehlmaeuse. Maennchen spezialisieren sich auf kleinere Beute (Drosseln, Stare), Weibchen jagen groessere (Tauben, Krähen).

Wie unterscheide ich Habicht und Sperber?

Sperber ist deutlich kleiner (Mannchen 28-34 cm), zarter gebaut, mit duenneren Beinen und Augenstreif. Habicht-Maennchen (49-56 cm) ist groesser, kompakter, ohne Augenstreif. Sperber-Weibchen sind so gross wie Habicht-Maennchen - dann hilft das Profil: Habicht kraeftiger, breitschultriger, mit massiverem Kopf.

Welche Besonderheiten hat der Habicht?

Der grosse Groessenunterschied zwischen Maennchen und Weibchen (bis 60%), die rote Iris adulten Vogels, und seine erfolgreiche Rueckkehr in Grossstaedte (Berlin hat die hoechste urbane Habicht-Dichte weltweit). Der Habicht war zudem seit dem Mittelalter Wappentier und Falknerei-Star.

Was frisst der Habicht am liebsten?

Ringeltauben sind die haeufigste Beute (etwa 30-40% des Speiseplans), dazu Stadttauben in urbanen Revieren. Eichelhaeher und Krähen sind ebenfalls bevorzugt. Saeugetiere machen 20-30% der Beute aus, mit Eichhoernchen und Wildkaninchen im Vordergrund.

Wer ist der natuerliche Feind vom Habicht?

Adulte Habichte haben kaum natuerliche Feinde - der Uhu kann gelegentlich einen Habicht erbeuten. Junge Habichte fallen Mardern, Waschbaeren und im Horst auch anderen Habichten zum Opfer. Hauptbedrohung historisch und teils heute: illegale Verfolgung durch Mensch (Vergiftung, Abschuss).

Weitere Arten, die in ähnlichen Lebensräumen vorkommen oder häufig verwechselt werden.