Vogel-Lexikon · Spechte

Buntspecht Steckbrief · Gesang · Verbreitung

Dendrocopos major

Der Buntspecht (Dendrocopos major) ist mit 23–26 cm der häufigste Specht Mitteleuropas und der Specht, den die meisten Menschen kennen. Sein schwarz-weißes Gefieder, der rote Unterbauch und beim Männchen ein roter Hinterkopf-Fleck machen ihn unverwechselbar. Er trommelt im Frühjahr 10–16 Schläge pro Sekunde gegen tote Äste — das ist sein Gesang, ein Reviermarkierungs- und Werbesignal, das mehrere hundert Meter weit zu hören ist.

Steckbrief in Kürze: Der Buntspecht wird 23–26 cm lang, wiegt 70–98 g und hat eine Flügelspannweite von 38–44 cm. Er lebt in Wäldern aller Art, Parks und großen Gärten mit altem Baumbestand, ernährt sich von Insekten, Larven, Samen und Beeren und kann 10 Jahre alt werden. Die Art ist nach IUCN nicht gefährdet (LC) und in Deutschland flächendeckend mit 900.000–1,2 Mio. Brutpaaren verbreitet.

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Vogelstimme

Gesang des Buntspechts

Schnelles Trommeln (10–16 Schläge/Sek.) als 'Gesang', dazu scharfe 'Kix'-Rufe als Kontaktlaut.

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Buntspecht erkennen: Aussehen & Verwechslung

Der Buntspecht zeigt ein kontrastreiches Schwarz-Weiß-Muster: schwarzer Rücken mit großen weißen Schulterflecken, weiße Unterseite, schwarzer Bartstreif, weiße Wangen und ein leuchtend roter Unterbauch ('Steiß'). Männchen tragen zusätzlich einen roten Hinterkopf-Fleck, Weibchen nicht — das wichtigste Geschlechtsmerkmal. Jungvögel haben einen komplett roten Scheitel und können mit dem selteneren Mittelspecht verwechselt werden. Die Größe (Drosselgröße) und der dolchartige, gerade Schnabel sind weitere klare Bestimmungsmerkmale.

Trommeln, Klettern, Fressen

Buntspechte sind perfekt an Baumstämme angepasst: starke Krallen, steifer Stützschwanz, Schock-absorbierender Schädelbau. Sie klettern in Spiralen aufwärts und schlagen mit dem Schnabel Rinde und Holz auf, um darunter liegende Insektenlarven zu erreichen. Im Frühjahr trommeln Männchen und Weibchen kurze Wirbel von etwa einer Sekunde Dauer mit 10–16 Schlägen pro Sekunde — dieser 'Gesang' ersetzt den Stimmgesang. Im Winter wechseln sie auf Sämereien und Beeren, oft an Futterstellen.

Bruthöhle und Familienleben

Buntspechte zimmern jedes Jahr eine neue Bruthöhle in tote oder kranke Baumstämme — ein wichtiger ökologischer Dienst, denn die Höhlen werden im Folgejahr von Meisen, Kleibern, Trauerschnäppern oder Hornissen weitergenutzt. Das Weibchen legt 5–7 weiße Eier, beide Geschlechter brüten 10–13 Tage und füttern die Jungen weitere 20–24 Tage. Ein Specht-Paar zieht meist nur eine Brut pro Jahr groß.

Buntspecht: Wissenswertes & Kuriositäten

Sechs Dinge über den Buntspecht, die selbst eingefleischten Beobachtern oft neu sind.

Fakt 1 / 6

Stoßdämpfer im Kopf

Beim Trommeln wirkt auf den Buntspecht-Schädel das 1.000-fache der Erdbeschleunigung. Anatomische Spezialitäten wie ein doppelt verschlungenes Zungenbein und schwammartige Knochenstrukturen verhindern Gehirnerschütterungen.

Fakt 2 / 6

Pinzetten-Zunge bis 4 cm

Die Zunge des Buntspechts ist bis zu 4 cm lang ausfahrbar, an der Spitze mit Widerhaken besetzt und mit klebrigem Speichel überzogen — perfekt, um Larven aus dem Holz zu angeln.

Fakt 3 / 6

Lieblings-Trommelbäume

Jedes Buntspecht-Paar hat innerhalb des Reviers feste 'Trommelbäume' — meist tote, hohle Äste mit guter Resonanz. Diese werden jahrelang genutzt.

Fakt 4 / 6

Architekt der Nachbarn

Verlassene Buntspecht-Höhlen sind essentiell für die Brutbiologie von mindestens 60 anderen Tierarten — von Trauerschnäpper bis Siebenschläfer. Ohne Spechte gäbe es viele Höhlenbrüter nicht.

Fakt 5 / 6

Fichten-Specht im Winter

Im Winter spezialisiert sich der Buntspecht auf Nadelbaumzapfen: Er klemmt sie in seine 'Specht-Schmiede' (Rindenspalte) ein und hackt sie auf — ein 5 cm hoher Haufen Zapfenreste unter einem Baum ist sein Werk.

Fakt 6 / 6

Einbruch in Meisenkästen

Im Frühjahr durchstößt der Buntspecht gelegentlich die Vorderwand von Nistkästen, um Meisenbrut zu rauben — eiweißreiche Nahrung für seine eigene Brut.

Verbreitung des Buntspechts

  • Ganz Europa
  • Nordafrika
  • Asien bis Japan
  • Kanarische Inseln
Verbreitungskarte Buntspecht

Buntspecht: Bildergalerie

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Häufige Fragen zum Buntspecht

Ist es gut, einen Specht im Garten zu haben?

Ja — Buntspechte vertilgen Holzschädlinge wie Borkenkäfer, Wurmlarven und Insekten in Holzritzen und sind dadurch wertvolle Helfer in Streuobstwiesen und Parks. Eine Specht-Höhle in einem alten Baum kann später Dutzenden anderer Tiere als Brutplatz dienen. Das gelegentliche Trommeln an Hausfassaden ist allerdings ein bekanntes Konfliktthema.

Wie sieht ein weiblicher Buntspecht aus?

Wie das Männchen — schwarz-weiß mit rotem Unterbauch und weißen Schulterflecken — aber OHNE den roten Hinterkopffleck. Der ist exklusiv den Männchen vorbehalten. Jungvögel beider Geschlechter haben einen komplett roten Scheitel, das verwechselbarste Stadium.

Was frisst der Buntspecht am liebsten?

Im Sommer eiweißreiche Insektenlarven aus Holz und Rinde (Borkenkäfer, Hornissenlarven, Holzwespen) sowie Spinnen und Ameisen. Im Winter Nadelbaumsamen — vor allem Fichten- und Kiefernzapfen, die er in einer 'Specht-Schmiede' aufklopft —, dazu Bucheckern und Haselnüsse. An Futterstellen schätzt er Sonnenblumenkerne, Erdnüsse und Talg.

Wo übernachten Spechte im Winter?

Buntspechte schlafen in selbst gehackten Schlafhöhlen — meist in alten, abgestorbenen Bäumen, manchmal werden auch alte Bruthöhlen weitergenutzt. Jeder Vogel hat seine eigene Schlafhöhle und wechselt sie nur selten. Spechtschlafhöhlen sind zentrale Strukturen im Winterwald und werden von vielen anderen Tieren beobachtet.

Wie alt kann ein Buntspecht werden?

Im Durchschnitt 8–10 Jahre in freier Wildbahn. Der älteste bekannte Ringvogel wurde über 12 Jahre alt. Die Sterblichkeit im ersten Jahr ist sehr hoch (~60%), danach steigt die Lebenserwartung deutlich.

Weitere Arten, die in ähnlichen Lebensräumen vorkommen oder häufig verwechselt werden.