Vogel-Lexikon · Singvögel

Seidenschwanz Steckbrief · Gesang · Verbreitung

Bombycilla garrulus

Der Seidenschwanz (Bombycilla garrulus) ist mit 18-20 cm ein eleganter Wintergast aus dem hohen Norden. Mit seinem rosa-grauen Gefieder, der charakteristischen Federhaube, schwarzer Kehle und gelbem Schwanzband ist er unverwechselbar. Erscheint nur invasionsartig in Mitteleuropa - in 'Seidenschwanz-Wintern' (etwa alle 8-10 Jahre) ueber 100.000 Tiere, dazwischen nur wenige hundert.

Steckbrief in Kuerze: Der Seidenschwanz wird 18-20 cm gross, wiegt 40-65 g und hat eine Fluegelspannweite von 32-35 cm. Er bruet in Nordskandinavien und Sibirien, ueberwintert sporadisch in Mitteleuropa, ernaehrt sich im Winter fast ausschliesslich von Beeren, und wird im Schnitt 5-7 Jahre alt. Die Art ist nach IUCN nicht gefaehrdet (LC).

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  • #exotisches Aussehen

Vogelstimme

Gesang des Seidenschwanzs

Klingelndes 'Sirrr-sirrr' im Schwarm - sanft und fast wie ein Triller.

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Seidenschwanz erkennen und Invasions-Phaenomen

Der Seidenschwanz ist auffallend bunt: rosa-grauer Koerper, aufrichtbare Federhaube am Hinterkopf, schwarze Augenbinde und Kehle, gelbes Schwanzband, rote 'Wachstropfen' an den Fluegelfedern (kein anderer heimischer Vogel hat dieses Merkmal!). Maennchen und Weibchen aehneln sich. Erscheint in Mitteleuropa nur als Wintergast aus Nordskandinavien und Sibirien - in 'Seidenschwanz-Wintern' (alle 8-10 Jahre) in grossen Schwaerme, dazwischen kaum zu sehen.

Seidenschwanz: Wissenswertes & Kuriositäten

Sechs Dinge über den Seidenschwanz, die selbst eingefleischten Beobachtern oft neu sind.

Fakt 1 / 4

Invasionsvogel der Wintervogel

Der Seidenschwanz ist der klassische 'Invasionsvogel': Sein Erscheinen schwankt extrem zwischen den Jahren. In 'Seidenschwanz-Wintern' (etwa alle 8-10 Jahre, wenn die Vogelbeere im Norden ausgefallen ist) kommen Hunderttausende; in anderen Jahren nur wenige hundert.

Fakt 2 / 4

Wachstropfen an den Fluegeln

Die roten 'Wachstropfen' an den Fluegelfedern (Sekundaerschwingen-Enden) sind einmalig - kein anderer heimischer Vogel hat dieses Merkmal. Sie sind keine echten Wachs, sondern verdickte Federspitzen mit rotem Pigment.

Fakt 3 / 4

Frisst Vogelbeeren

Im Winter ernaehrt sich der Seidenschwanz fast ausschliesslich von Beeren: Vogelbeeren (Eberesche), Misteln, Schneeball, Schlehe, Wacholder, Hagebutten. Pro Tag verzehrt ein Seidenschwanz das Doppelte seines Koerpergewichts an Beeren.

Fakt 4 / 4

Klingelnder Schwarmgesang

Im Schwarm rufen Seidenschwaenze ein klingelndes, fast meditatives 'Sirrr-sirrr' - der Schwarm-Gesang ist eines der schoensten Wintervogel-Geraeusche Mitteleuropas.

Verbreitung des Seidenschwanzs

  • Skandinavien
  • Sibirien
  • Wintergäste in Mitteleuropa

Seidenschwanz: Bildergalerie

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Häufige Fragen zum Seidenschwanz

Wann kommen Seidenschwaenze nach Deutschland?

Nur als Wintergast (November bis Maerz), und nur in bestimmten Jahren (Invasionsjahre). Etwa alle 8-10 Jahre erscheinen grosse Schwaerme - wenn die Vogelbeere im hohen Norden ausgefallen ist, suchen sie Nahrung weiter sueden. In anderen Jahren nur sehr vereinzelt.

Wo gibt es Seidenschwaenze?

In Invasionsjahren ueberall in Deutschland, wo Vogelbeer-Baeume stehen - vor allem in Norddeutschland zunaechst, dann auch im Sueden. Stadtbereiche werden bevorzugt, weil dort viele Vogelbeer-Baeume entlang von Strassen und in Parks stehen. Schwarm-Groessen von 50-1.000 Tieren.

Was frisst der Seidenschwanz?

Im Winter fast ausschliesslich Beeren: Vogelbeeren (Hauptbeute), Misteln, Schneeball, Schlehen, Wacholder, Apfel-/Birnen-Fallobst. Im Sommer (in seinem nordischen Brutgebiet) auch viele Insekten und Larven fuer die Jungenaufzucht.

Was ist die Besonderheit des Seidenschwanzes?

Erstens: Invasions-Verhalten mit extremen Bestandsschwankungen. Zweitens: einmalige 'Wachstropfen' an den Fluegeln (kein anderer heimischer Vogel hat das). Drittens: exotisches Aussehen mit Federhaube. Viertens: Frisst 2x sein Koerpergewicht an Beeren pro Tag. Fuenftens: klingelnder, fast meditativer Schwarm-Gesang.

Weitere Arten, die in ähnlichen Lebensräumen vorkommen oder häufig verwechselt werden.