Vogel-Lexikon · Singvögel

Rotkehlchen Steckbrief · Gesang · Verbreitung

Erithacus rubecula

Das Rotkehlchen (Erithacus rubecula), regional auch Rotbrüstchen genannt, ist ein kleiner, rundlicher Singvogel aus der Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae). Mit rund 14 cm Körperlänge und der namensgebenden orangeroten Brust- und Gesichtspartie zählt es zu den bekanntesten und häufigsten Gartenvögeln Mitteleuropas. In Deutschland brüten 3,4–4,3 Millionen Paare; insgesamt erstreckt sich das Verbreitungsgebiet von Europa über Nordafrika bis nach Westsibirien. Als einer der wenigen heimischen Singvögel ist das Rotkehlchen ganzjährig zu hören — auch im Herbst und an milden Wintertagen.

Steckbrief in Kürze: Das Rotkehlchen wird 13–14 cm lang, wiegt 14–22 g und erreicht eine Flügelspannweite von 20–22 cm. Es lebt in strukturreichen Lebensräumen mit dichtem Unterholz — Wäldern, Parks und Gärten — und ernährt sich vor allem von Insekten, Spinnen, Würmern und Beeren. Die Art ist nach IUCN nicht gefährdet (LC) und besonders geschützt.

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Vogelstimme

Gesang des Rotkehlchens

Typischer Gesang dieser Art.

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Rotkehlchen erkennen: Aussehen & Bestimmung

Das Rotkehlchen ist mit rund 14 cm Körperlänge etwas kleiner als ein Haussperling und wirkt durch sein aufgeplustertes Gefieder fast kugelig. Unverwechselbar ist die leuchtend orangerote Brust- und Gesichtspartie, die fast bis auf die Stirn reicht. Bauch und Unterseite sind weißlich, die Oberseite olivbraun. Männchen und Weibchen sehen identisch aus — eine Geschlechtsbestimmung im Feld ist nicht möglich. Jungvögel tragen in den ersten Wochen ein gesprenkeltes, braunes Tarngefieder ohne rote Brust.

Rotkehlchen-Gesang: Stimme & Rufe

Der Gesang des Rotkehlchens ist eine perlende, melancholisch klingende Tonfolge, oft aus halbhoher Warte vorgetragen. Im Gegensatz zu den meisten Singvögeln singen Rotkehlchen das ganze Jahr — auch im Herbst und an milden Wintertagen, und sogar nachts an beleuchteten Plätzen. Der typische Warnruf ist ein scharfes, schnelles 'tick-tick-tick'.

Wo lebt das Rotkehlchen? Lebensraum & Verhalten

Rotkehlchen lieben strukturreiche Lebensräume mit dichtem Unterholz: Waldränder, Hecken, Gärten und Parks. Sie sind ausgesprochene Bodenjäger und suchen Insekten, Würmer und Spinnen meist am Boden. Charakteristisch ist die wippende Verbeugung mit anschließendem Hochrecken — das Rotkehlchen wirkt dabei stets neugierig und nähert sich grabenden Menschen oft auf wenige Meter, um aufgescheuchte Würmer zu erbeuten. Außerhalb der Brutzeit sind Rotkehlchen strikte Einzelgänger und verteidigen ihr Revier vehement — Weibchen ebenso wie Männchen.

Brut & Fortpflanzung des Rotkehlchens

Das Nest legen Rotkehlchen am oder dicht über dem Boden an: in Wurzeltellern, Erdmulden, Reisighaufen oder auch in Briefkästen, Schuppen und Blumentöpfen. Das Weibchen brütet zwei- bis dreimal pro Jahr 5–7 Eier rund 14 Tage aus. Beide Elternteile füttern die Jungen, die nach etwa zwei Wochen das Nest verlassen — anfangs noch flugunfähig und auf weitere Versorgung durch das Männchen angewiesen, während das Weibchen schon die nächste Brut beginnt.

Rotkehlchen im Winter: Zugverhalten & Futter

Während ein Teil der mitteleuropäischen Rotkehlchen im Süden überwintert (Mittelmeerraum, Nordafrika), bleiben viele Vögel ganzjährig im Brutgebiet. Im Winter kommen außerdem Zuzügler aus Skandinavien und dem Baltikum dazu. An Futterstellen nehmen Rotkehlchen gerne fettreiche Weichfutter-Mischungen, Haferflocken, Rosinen und feine Sämereien — sie sind Weichfresser und können mit reinen Sonnenblumenkernen wenig anfangen.

Rotkehlchen: Wissenswertes & Kuriositäten

Sechs Dinge über den Rotkehlchen, die selbst eingefleischten Beobachtern oft neu sind.

Fakt 1 / 6

Mutige Nachbarn

Rotkehlchen sind extrem zutraulich gegenüber Gärtnern: Sie warten oft nur wenige Meter entfernt, um aufgescheuchte Würmer aus der frisch umgegrabenen Erde zu picken — ein Verhalten, das sie ursprünglich an Wildschweinen entwickelt haben.

Fakt 2 / 6

Sänger der dunklen Stunden

An beleuchteten Plätzen — Bahnhöfen, Innenstädten — singen Rotkehlchen auch mitten in der Nacht. Wer also in der Stadt einen Vogel um 3 Uhr morgens hört, hat meist ein Rotkehlchen vor sich, keine Nachtigall.

Fakt 3 / 6

Streng territorial

Außerhalb der Brutzeit verteidigen Männchen UND Weibchen eigene Reviere — was unter europäischen Singvögeln eine Ausnahme ist. Ein in das Revier eindringender Artgenosse wird sofort vertrieben, manchmal bis zum Tod.

Fakt 4 / 6

Magnetkompass im Auge

Forschende konnten nachweisen, dass Rotkehlchen das Erdmagnetfeld mit dem rechten Auge wahrnehmen. Quantenchemische Prozesse in einem Eiweiß der Netzhaut (Cryptochrom) ermöglichen ihnen die Orientierung auf dem Zug.

Fakt 5 / 6

Britischer Nationalvogel

Bei einer landesweiten Abstimmung 2015 wurde das Rotkehlchen offiziell zum Nationalvogel Großbritanniens gewählt — vor Eule und Amsel. Auf britischen Weihnachtskarten ist es seit der viktorianischen Zeit allgegenwärtig.

Fakt 6 / 6

Junge ohne rote Brust

Frisch ausgeflogene Rotkehlchen sehen völlig anders aus als ihre Eltern: braun gesprenkelt, fast ohne jede rote Färbung. Erst nach der ersten Mauser im Spätsommer entwickeln sie die charakteristische Brust.

Verbreitung des Rotkehlchens

  • Ganz Europa
  • Nordafrika
  • Westsibirien
  • Kaukasus, Nahost (Wintergäste)
Verbreitungskarte Rotkehlchen

Rotkehlchen: Bildergalerie

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Häufige Fragen zum Rotkehlchen

Wie erkenne ich ein Rotkehlchen?

Am eindeutigsten an der leuchtend orangeroten Brust und Gesichtspartie, die bis zur Stirn reicht. Der Rest des Körpers ist olivbraun (Oberseite) und weißlich (Bauch). Größe etwa 14 cm — etwas kleiner als ein Spatz. Männchen und Weibchen sehen gleich aus.

Was frisst ein Rotkehlchen?

Hauptsächlich Insekten, Spinnen, kleine Würmer und Schnecken, die es am Boden sucht. Im Herbst und Winter ergänzt es seinen Speiseplan mit Beeren und weichen Früchten. An Futterstellen nimmt es gerne Haferflocken, Rosinen, Mehlwürmer und fettreiches Weichfutter.

Wo brütet das Rotkehlchen?

Bodennah oder am Boden — in Wurzeltellern, Erdmulden, dichtem Gestrüpp oder Reisighaufen. Im Garten nutzt es gerne halboffene Nistkästen, Blumentöpfe, Schuppen oder Briefkästen.

Singen Rotkehlchen auch im Winter?

Ja. Rotkehlchen gehören zu den wenigen Singvögeln, die nahezu ganzjährig singen — auch im Herbst und an milden Wintertagen. In Städten mit Beleuchtung sogar nachts, was sie manchmal mit der Nachtigall verwechselbar macht.

Wie alt wird ein Rotkehlchen?

In freier Wildbahn im Schnitt 1–2 Jahre — die Sterblichkeit im ersten Lebensjahr ist sehr hoch. Vögel, die das erste Jahr überstehen, können 5 Jahre oder älter werden. Der älteste bekannte Ringvogel wurde über 19 Jahre alt.

Ist das Rotkehlchen geschützt?

Ja. Wie alle europäischen Wildvögel ist das Rotkehlchen nach der EU-Vogelschutzrichtlinie und dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Auf der Roten Liste Deutschlands wird es als ungefährdet geführt (Status: ungefährdet).

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